Ausstieg "light" am Bauernhof

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Ausstieg "light" am Bauernhof

Beitragvon chiemono » 1. Nov 2010 20:15

Ich schreibe diesen Thread, weil ich glaube, dass es vielen so geht wie mir. Sobald man begriffen hat, dass man in einem korrupten, selbstzerstörerischen System lebt, fasst man den Gedanken auszusteigen. Dieser Wunsch kann so stark werden, dass man dann mangels konkreten Erfahrungen die wildesten Lebensformen in Erwägung zieht. Man könnte im Zelt wohnen oder unterirdisch, man könnte sich von Schnecken und Fischen ernähren, oder im Urwald in einem Hausboot leben, ...

Egal wie verrückt etwas klingt - es ist machbar - das beweisen ja Menschen auf der ganzen Welt. Die Frage ist nur, ob es das ist was man wirklich will? Und - ob man es auch tatsächlich kann? Wenn jemand aus einer bäuerlichen Familie kommt, dann wird er sicher leichter damit klarkommen, ein Leben zu führen wie es z.B. Amaro vorgezeigt hat, weil so einer als Kind schon gelernt hat mit und von der Natur zu leben. Ein Stadtmensch dagegen, der vielleicht grade mal ein Buch über Permakultur gelesen hat, würde dagegen über kurz oder lang als Penner auf einer Parkbank enden. Ich will damit sagen: wenn man alles im Leben erstmal lernen und erproben muss, warum sollte es dann in diesem Bereich anders sein? Und wenn man sich auf alles Wichtige im Leben auch finanziell vorbereiten muss, warum sollte es in bezug auf eine alternative Existenz anders sein? Der Punkt ist der, dass wir ja sowieso ( noch ) mit dem bestehenden System klarkommen müssen, auch wenn wir aussteigen. Ein nach heutiger Gesetzeslage legaler Ausstieg ist ohne finanzielle Mittel unmöglich.

Ich persönlich bin mittlerweile zur Überzeugung gelangt, dass wir alle bald "alternativ" leben müssen, ob wir das wollen oder nicht, denn dieses System crasht so sicher wie das Amen im Gebet kommt. Wir müssen auch nichts dazu tun um das aufzuhalten oder zu beschleunigen, wir sollten nur die Zeit nutzen um uns vorzubereiten. Für mich selber habe ich lange nach einem Weg gesucht, um das zu tun und habe mich nun für etwas eher Konventionelles entschieden. Ich habe eine Wohnung gemietet. Allerdings auf einem Bauernhof in 600 Meter Höhe. Ich zahle da 200 Euro für 50 qm und die ist grossteils eingerichtet, ein Keller ist auch dabei und ein Stückchen Wiese für meinen Gemüseanbau ist auch kein Problem. Zur nächsten grösseren Stadt brauche ich mit einem PKW 15 Minuten ( bei Schnee eher doppelt so lang ). Bin noch beim Übersiedeln und habe erst einen Tag und eine Nacht dort verbracht, habe aber das Gefühl, dass das eine langfristige Bleibe wird, weil ich mich sehr wohl fühle. Es ist eine eigene Welt. Die Stille ist unbeschreiblich und die Natur auch, so laufen etwa 10 Meter vor meinem Küchenfenster die Rehe herum. Handyempfang geht grade noch und eine Internetverbindung funktioniert in Zeitlupe. Im angrenzenden Wald liegt Bruchholz zum Heizen ohne Ende.

Ich wähle diesen Weg, weil mir bewusst ist, dass ich nichtmal ein Waldmensch-Anfänger bin, sondern ein Konsument wie die meisten und dass ich vieles erst lernen muss. Auf diese Art und Weise lerne ich von der künstlichen Welt der Städte allmählich wegzukommen, bin gezwungen mich mehr mit mir selbst zu beschäftigen statt mich abzulenken und kann mich so schrittweise selbstständiger und unabhängiger machen. Auch wäre z.B. alleine der Platz den man braucht um etwa Vorräte zu lagern, oder handwerklich aktiv zu werden bei anderen Wohnformen wie Wohnwagen, Jurte, oder Ähnlichem nicht gegeben. Auch punkto alternativer Energieversorgung ist es einfacher ein paar Solarmodule am Dach zu montieren und die Pufferbatterien im Keller zu haben, als sowas bei einem Wohnwagen zu verwirklichen.

Natürlich muss man 200 Euro Miete irgendwie zahlen. Momentan ist das kein Problem für mich, weil ich sehr viel arbeite ( Hauptjob wochentags und Taxifahren am Wochenende ). Das soll natürlich langfristig nicht so bleiben, sondern nur dazu dienen, mir alles anzuschaffen was ich gerne hätte. Danach behalte ich den Taxijob auf geringfügiger Basis für eine Nacht pro Woche und gehe "hauptberuflich" in den Notstand. Das finde ich moralisch völlig okay, denn ich persönlich wurde von diesem System zur Genüge abgezockt. Es ist, so wie Tachyon das glaub ich mal sagte, eine Notwehrmassnahme, denn es läuft ja alles darauf hinaus, dass wir langsam das Lohnniveau der Chinesen bekommen, um die Investoren und Aktionäre unserer Arbeitgeber noch reicher zu machen. Mit Notstand und 4 mal Taxifahren pro Monat käme ich so etwa auf 1200 Euro im Monat - da ist also immer noch Spielraum für Investitionen in Dinge die das Leben einfacher machen - speziell wenn man immer mehr autark lebt.

Ich denke, das ist der Trick! Das System will dich ausnutzen? Dreh den Spiess einfach um!

Und was ist, wenn der Notstand gestrichen wird - etwa bei einer Staatspleite und auch Taxifahren nicht mehr funktioniert? Auch in dem Fall hätte ich bessere Karten als ein Städter, denn ich kenne und mag den Bauern der meine Wohnung vermietet und würde dann eben einen Teil der Miete durch Arbeitsleistung ausgleichen. Abgesehen davon hätte dann sowieso fast niemand mehr Geld.

Wenn ich es so durchziehe wie ich das geplant habe, bin ich mit knapp 50 quasi in Pension, denn 4 Nächte im Monat Taxi zu fahren ist nicht wirklich ein Job. Ich hätte genügend Zeit Dinge zu tun, die mir wirklich Spass machen und ich hätte intensiven Kontakt zur Natur. Vielleicht ist das ja auch ein interessanter Weg für andere, die es auch nicht gleich ganz radikal angehen wollen?
chiemono
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Re: Ausstieg "light" am Bauernhof

Beitragvon Kackvogel » 2. Nov 2010 01:11

Ohne LERNEN geht es nicht. Wenn man im System bereits ein Bildungsverweigerer war, wird man ebenso als vermeintlicher Aussteiger scheitern und dumm sterben. Wer kein Autodidakt ist, wird lange auf "Aussteiger-Seminare" warten, und teuer bezahlen müssen.

Warum wohl musste Amaro 3 Jahre lang Landwirtschaft lernen, oder Tarzan eben so lang Forstwirt ?

Ohne Lernen kein Aus-, oder Umstieg .....So einfach ist die Sache wenn man nicht als Müllfresser enden möchte !
Kackvogel
 

Re: Ausstieg "light" am Bauernhof

Beitragvon Tachyon » 2. Nov 2010 01:23

Aussteigen kann man nicht lernen, nur tun und dann lernen wie man damit klarkommt. Es gibt keine legalen Möglichkeiten des Ausstiegs.
Tachyon
 

Re: Ausstieg "light" am Bauernhof

Beitragvon Kackvogel » 2. Nov 2010 01:53

Es geht nicht um Ausstieg sondern um Schadenbegrenzung. Wenn sich jeder Bundesbürger ernsthaft um Schadenbegrenzung bemühen würde, wären persönliche Ausstiege nicht erforderlich.
Kackvogel
 


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