Sadismus-die Lust am Quälen

hier können alle schreiben, was ihnen so an der bürgerlichen Gesellschaft oder dem kapitalistischen System stört

Moderatoren: Suminoto, oeffi

AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 301

Sadismus-die Lust am Quälen

Beitragvon Gabriela » 26. Feb 2010 19:27

Der blanke Sadismus
Freitag 20 Mai 2005 von Alice Miller (Autrin des Buches:"Das Drama des begabten Kindes"=

Viele Menschen zeigten sich empört über die Perversionen der US-Soldaten, die in der Behandlung der irakischen Gefangenen sichtbar wurden. Selten habe ich von einer solchen Empörung gehört, wenn hier und da versucht wird, perverse Praktiken aufzuzeigen, die an KINDERN verübt werden, wie z.B. in amerikanischen und britischen Schulen, weil diese dort seit jeher als Erziehung bezeichnet werden. Hingegen wird die Brutalität gegen ERWACHSENE (mit Recht) sofort als Skandal empfunden. Die Welt scheint auch erstaunt, dass diese Brutalität sogar bei den Amerikanern, die sich der internationalen Öffentlichkeit als Hüter des globalen Friedens präsentieren, zum Vorschein kommt. Aber all das hat eine Erklärung, die selten gehört wird.

Daher ist es zweifellos gut, dass die Situation endlich transparent wird, dass die Lüge dank der Medien so deutlich entlarvt wurde. Die Lüge sagt: Wir sind eine zivilisierte, freiheitsliebende Nation und bringen der ganzen Welt Demokratie und Unabhängigkeit. Unter diesem Motto drangen die USA in das fremde Land Irak, verursachten Verwüstungen und bestehen immer noch darauf, hier Kulturwerte zu importieren. Und nun stellt sich heraus, dass die gut gedrillten, adrett gekleideten Soldaten neben den Bomben und Raketen ein riesiges Arsenal angesammelter Wut in sich tragen, unsichtbar für alle, auch für sie selbst, ganz in ihrem Innern verborgen, aber unmissverständlich gefährlich.

Man fragt sich: Woher kommt diese unterdrückte Wut, dieses Verlangen, machtlose Gefangene zu quälen, zu demütigen, zu verhöhnen und zu misshandeln? Wofür müssen sich diese vermeintlich starken Soldaten rächen? Und wo haben sie ein solches Verhalten gelernt? Zweifellos da, wo alle es lernen: zuerst als kleine Kinder in der Familie, wo sie mit Hilfe von Schlägen lernen mussten zu gehorchen, dann in der Schule, wo sie als wehrlose Objekte dem Sadismus mancher Lehrer ausgeliefert waren, und schließlich in der Rekrutenzeit, als sie von den Ranghöheren wie Dreck behandelt wurden, damit sie die fragwürdige Fähigkeit erwerben, alles zu erdulden und hart zu werden.

Der Durst nach Rache kommt ja nicht aus der Luft. Er hat eine ganz klare Ursache, auch wenn fast niemand bereit ist, sie zu sehen. Der Durst nach Rache hat seinen Ursprung in den ersten Jahren, in denen das Kind schweigen musste, als es im Namen der Erziehung grausam gequält wurde. Und die Methoden des Quälens lernte es sowohl von den Eltern als auch später von den Lehrern und Vorgesetzten. Trotzdem erwarten viele Menschen, dass diese systematische, durch Vorbild gelieferte Anleitung zur Zerstörung des anderen ohne böse Folgen bleibt. Als wäre das Kind ein Container, den man von Zeit zu Zeit leeren kann. Doch das menschliche Gehirn ist kein Container, und das früh Gelernte lässt sich kaum ungeschehen machen. Das zeigen jetzt die Fakten im Irak.

Ich habe bereits in "Die Revolte des Körpers" darauf hingewiesen, dass in 22 Staaten der USA Kinder und Jugendliche auch in Schulen legal geschlagen, gedemütigt, sehr oft sadistisch behandelt und somit real gefoltert werden. Nur gilt dieses Verhalten nicht als Folter, weil es Erziehung, Disziplinierung und Führung genannt wird. Die Religionen unterstützen diese Praxis. Niemand protestiert dagegen, außer im Rahmen einiger weniger Websites im Internet. Hingegen wimmelt es im Internet von Anzeigen, die Peitschen und andere Geräte zur Züchtigung der kleinen Kinder anbieten, damit diese gottgefällig werden, genau so, wie Gott sie braucht und lieben kann. Der Skandal im Irak zeigt, wie diese Kinder tatsächlich werden, zu welchen Erwachsenen sie sich später entwickeln. Die perversen Soldaten sind die Früchte der Erziehung zur Gewalt, Gemeinheit und eben Perversion.

Es werden in den Medien Auffassungen von psychologischen Experten zitiert, wonach die Brutalität der US- Soldaten auf den kriegsbedingten Stress zurückzuführen seien oder auf Befehle von oben. Sicher wurden die Soldaten im Irak durch Befehle von oben in ihrem perversen Verhalten unterstützt, doch die Voraussetzungen zum Ausführen der Folter waren ja bereits da. Zweifellos werden durch den Krieg latente Aggressionen ausgelöst, DOCH DIESE MÜSSEN SCHON LATENT VORHANDEN GEWESEN SEIN. Einem Menschen, der weder zu Hause, noch in der Schule mit Gewalt aufgewachsen ist, wäre es unmöglich, wehrlose Gefangene zu misshandeln und zu verhöhnen. Er könnte es einfach nicht. Wir wissen aus der Geschichte des letzten Weltkrieges, dass manche der unfreiwilligen Kämpfer immer wieder, auch im Stress des Krieges, ein menschliches Gesicht zeigen konnten, wenn sie gewaltlos aufgewachsen sind. Wir wissen auch aus vielen Lager- und Kriegsberichten, dass sogar dieser extreme Stress Erwachsene niemals zwangsläufig zu perversen Menschen gemacht hat.

Die Perversion hat eine lange, obskure Geschichte, die immer in der
Kindheit des Betreffenden wurzelt. Dass diese Geschichten der Gesellschaft
in der Regel verborgen bleiben, ist kein Wunder: Allzu viele einst mit Gewalt
zum Gehorsam erzogene Menschen haben Grund genug, nicht an das Leiden ihrer
Kindheit erinnert zu werden und die verdrängen Fakten niemals ans Tageslicht
kommen zu lassen. Sie lassen sich lieber in S/M Klubs auspeitschen und
behaupten, dies zu genießen, anstatt sich zu fragen, weshalb sie zu dieser
Perversion gekommen sind. Der Kult des Unbewussten scheint in unserer
Gesellschaft nach wie vor seine Triumphe zu feiern. Denn es ist nicht wahr, dass "in uns allen das Bist steckt", wie es so gedankenlos verkündet wird. Das Biest steckt nur in Menschen, die als Kinder auf perverse Art behandelt wurden und diese Tatsache verleugnen. Sie suchen und finden Sündenbocke für ihre unbewusste Rache oder zerstören sich selbst mit Drogen und anderen Substanzen, um die an ihnen begangenen Taten nie wahrnehmen zu müssen. Weil der Schmerz für das Kind unerträglich gewesen wäre. Doch der Erwachsene könnte ihn ertragen und könnte damit, dank seines Bewusstseins, das "Biest" aus der Welt schaffen.
Gabriela
 

Beitragvon Gabriela » 27. Feb 2010 08:36

Die Bestie in uns – Wissenschaftler erforschen menschliche Abgründe
WDR Fernsehen

Wie kommen drei junge Strafgefangene der JVA Siegburg dazu, einen Zellengenossen stundenlang zu quälen und ihn schließlich zu ermorden? Warum schauen vier Studenten tatenlos zu, wie ein Freund stirbt, obwohl sie ihn hätten retten können? Was bringt ganz gewöhnliche Menschen dazu, außergewöhnlich grausame Taten zu begehen, wie im irakisch-amerikani-schen Gefängnis von Abu Ghraib? Die TV-Dokumentation Die Bestie in uns – Wissenschaftler erforschen menschliche Abgründe von Alex Gibney begibt sich auf die Suche nach Antworten. Sie könnten in den wohl bekanntesten – und umstrittensten – Experimenten der Sozialpsychologie liegen: Die so genannten Milgram-Experimente führten 1962 auf schockierende Weise vor, dass die meisten Menschen ohne weiteres einen anderen töten würden, wenn nur irgendeine Autoritätsperson die Verantwortung übernimmt. Und im Stanford-Prison-Experi-ment von 1970 wurden freundliche Menschen in nur wenigen Tagen zu sadistischen Gefängniswärtern. Das Experiment musste vorzeitig abgebrochen werden. Der Film Die Bestie in uns – Wissen-schaftler erforschen menschliche Abgründe besucht die Forscher und einige Versuchsteilnehmer von damals und kommt in einer Neubewertung der Ex-perimente zu beunruhigenden Antworten auf die Frage, wie normale Männer und Frauen zu wahren Monstern werden können.



Am 11. November 2006 beginnt in Zelle 104 der JVA Siegburg das tödliche Martyrium des Hermann H. Elf Stunden lang wird er von drei Zellengenossen gequält und misshandelt, bis sie ihn schließlich ermorden und sich selbst schlafen legen. Der „Foltermord“ von Siegburg lässt Juristen und Psychiater nach Erklärungen suchen, wie die drei Zellengenossen zu mitleidlosen Folte-rern und Mördern wurden. Ohne Erklärung bleibt auch das Verhalten der vier amerikanischen Studenten, die am 2. Februar 2005 tatenlos zusahen, wie ihr Freund vor ihren Augen an einer Überdosis Wasser stirbt: Matthew Carrington unterzog sich den rohen Initiationsriten der Chi Tau Fraternity, einer der Studentenverbindungen an der Chico State University in Kali-fornien. Seine Peiniger waren nie zuvor mit dem Gesetz in Konflikt geraten, einige galten sogar als besonders religiös. Doch als sie ihren Freund zwan-gen, sich vor ihnen zu erniedrigen und immer mehr Wasser zu trinken, waren sie unfähig zu Mitleid und unwillig, einen Rettungswagen zu rufen.



1962 ließ der amerikanischer Forscher Stanley Milgram einige Freiwillige als Lehrer fungieren und ihre Schüler mit immer stärker werdende Elektro-schocks für deren Fehler bestrafen. Die „Schüler“ waren Schauspieler, die Elektroschocks gab es nicht – doch das wussten die Probanden nicht. Das Ergebnis seines Experiments schockte selbst den Forscher: Über 60 Prozent der Versuchsteilnehmer waren bereit, ihre „Schüler“ mit den Elektroschocks zu töten, solange der Versuchsleiter die Verantwortung übernahm. Noch schockierender war der Versuch, den Philip Zimbardo 1970 an der Stanford Universität durchführte: Ein Losverfahren bestimmte, welcher seiner Studenten in einem nachgebauten Gefängnis Wärter und wer Gefangener sein würde. Bereits nach kurzer Zeit geriet das Experiment außer Kontrolle und wurde schließlich nach sechs Tagen vorzeitig abgebrochen – weil Zimbardo und seine Forscherkollegen ähnlich mitleidslos und brutal agierten wie ihre Gefängniswärter, deren Handeln sie über Kameras beob-achteten. Wie es dazu kam, erzählt die Psychologin Christina Maslach, Freundin und spätere Ehefrau des Forschers Zimbardo in einem Interview in Die Bestie in uns – Wissenschaftler erforschen menschliche Abgründe.



Der Film zeigt, dass die Aussage der Experimente von Milgram und Zimbardo bis heute nichts von ihrer explosiven Kraft verloren hat: Selbst moralisch gefestigte Versuchsteilnehmer und Beobachter mussten eingestehen, dass sie in kürzester Zeit dazu gebracht werden können, alle moralischen Grund-sätze zu vergessen und die unglaublichsten Taten zu begehen. Die Bestie in uns – Wissenschaftler erforschen menschliche Abgründe bewertet die Ergeb-nisse der Experimente neu und entdeckt, dass bei den Teilnehmern nicht die Abwesenheit von Moral eine Rolle spielte, sondern eher das Gegenteil: der Versuch, sich je nach Situation eine neue Moral zuzulegen, die ihre Taten erklärt und sanktioniert.



Die Dokumentation Die Bestie in uns – Wissenschaftler erforschen mensch-liche Abgründe wurde unter dem Titel The Human Behaviour Experiment für den US-Spartenkanal Court TV produziert und vom WDR überarbeitet und ergänzt.



Redaktion: Thomas Hallet
Gabriela
 

Re: Sadismus-die Lust am Quälen

Beitragvon wertz » 13. Mär 2010 20:44

Hallo Weltenklänge,

ich hoffe du hast recht, wenn du behauptest, dass NICHT in uns allen ein Biest steckt.
Jedenfalls müssen wir uns wohl damit abfinden, dass Gewalt in der Kindererziehung, weltweit gesehen, eher die Regel als die Ausnahme ist ( in einem Buch von Colin Goldner wird sogar behauptet, dass der Dalai Lama diese nicht grundsätzlich ablehnt ).
Es ist sicher in 99 von 100 Fällen so, dass Leute die ihre Kinder schlagen, letztlich nur die Erziehungsmethoden Ihrer Eltern nachahmen, immer nach dem Motto "mir hat es ja auch nichts geschadet".
Ich glaube sogar, dass viele Eltern es gradezu als ihre Pflicht ansehen zu prügeln, weil sie befürchten ihr Kind könnte "verweichlichen" und damit
nicht lebenstüchtig werden, im "Kampf ums Dasein" den Kürzeren ziehen.
In Gesellschaften in denen der Konkurrenzkampf die von der Mehrheit akzepierte, treibende Kraft ist, müssen die Menschen wohl zwangsläufig ein positives Verhältnis zur Gewalt entwickeln, wenn sie nicht untergebuttert werden wollen.
Verlierer sind wiedermal die hochsensibelen, friedfertigen Leute, die Gewalt nicht abhärtet sondern verletzt und anwidert.
Naturgemäß kommen aus diesem Personkreis der Anti-Kämpfer nur wenig Berufsoldaten; die meisten Söldner sind wohl eher Männer, die auch im Zivilleben viel Freude an Gewalt haben, z.Beisp. Boxkämpfe, Horrorfilme usw. toll finden.
Dementsprechend glaube ich, dass der durchschnitts-Amerikaner die "harte Gangart" seiner Soldaten völlig OK findet und deine Empörung garnicht nachvollziehen kann.
Die meisten Amis scheinen das "Biest" das sie in sich tragen sogar lieb zu haben.

Gruß wertz
wertz
 

Beitragvon Gabriela » 14. Mär 2010 12:51

Hi wertz,
dein Beitrag geht mir sehr nahe, weil ich's so wie du hier schreibst auch bereits oft genug hörte...also dieses: Wir dürfen unsere Kinder nicht verweichlichen und deshalb sind verbale und körperliche Prügel Mittel, welche den Zweck heiligen :'(

Bezüglich deines ersten Satzes wunderte ich mich allerdings, wo ich jenes behauptete :?: Es gibt sehr wohl Situationen, in denen sich das innere Biest von mir bemrkbar macht(e) und sich Gehör verschafft, Situationen, wenn auch relativ wenige in 45 Jahren, in denen ich es als zu mir gehörend anerkennen musste. Situationen, wo das Biest schrie, weil die Liebe in solchen Momenten dem Biest den Vortritt ließ, quasi als ein innerer Patient, den ich wahrnehmen sollte. Es nützt nicht wirklich, wenn ich so tat, als gebe es Biest nicht, sagte mir Liebe...Heile das Biest mit mir..sprach sie weiter...alles andere sei scheinheilig...bzw. blindgläubig...Und so gehorche ich...wirklich im Sinne von: Geh und horche und dann liebe wirklich...

Weltenklänge
Gabriela
 


Zurück zu "Gesellschaftskritik"

 

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron