"psychologischer Separatismus" ein gangbarer Weg ?

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"psychologischer Separatismus" ein gangbarer Weg ?

Beitragvon wertz » 11. Feb 2010 22:57

Wie schätzt Ihr die Mehrheit der Deutschen ein ?
Es ist doch wohl so, dass min. 90% der Bevölkerung mit Stellvertreterdemokratie und Marktwirtschaft grundsätzlich
zufrieden sind, Veränderungen nur in Detailfragen wünschen.
Wo seht Ihr die Ansatzpunkte für eine von der Mehrheit getragenen und aktiv unterstützen, gesellschaftlichen Umwälzung ? Wie überzeugt man mal eben 50Millionen erwachsene Menschen davon, dass Sie falsch leben und bescheidener, solidarischer, friedfertiger werden müssen ? Für alle Argumente die wir vorbringen können, präsentiert man uns postwendend Gegenargumente, die nicht nur von Spinnern, sondern von Kapazitäten vertreten werden, die also nicht so leicht von der Hand zu weisen sind.
Ich jedenfalls bin in so mancher, kontroversen Diskussion, in der es um die Notwendigkeit tiefgreifender, gesellschaftlicher Veränderungen ging, nicht über Schlussargumente dieser Art : "weil ich mich in dieser Gesellschaft unwohl und schuldig fühle", "weil ich in dieser Gesellschaft nicht sicher sein kann, dass ich auf Umwegen von der Ausbeutung anderer profitiere" nicht hinausgekommen.
Und ich denke, genau da liegt der Hase im Pfeffer: Leute die unter den herrschenden Verhältnissen nicht leiden, keine Schuldgefühle, Gewissensbisse verspüren, bzw. diese nur in einem Grade verspüren, der den Spaß nicht verdirbt - Tja , was habe ich denen zu sagen ?
Selbst wenn ich ein allgemein anerkannter,respektabeler, Ehrfurcht einflösender Weiser wäre, der alle Vernuftsgründe auf seiner Seite hätte, selbst dann würde ich o.a. Personen nicht zu meinen Mitstreitern machen können.
Wäre es nicht erfolgversprechender, wenn sich die feinfühligen, gewissensstarken Antikämpfer aller Länder vereinigen würden, um einen Staat nach Ihren Idealen aufzubauen, anstatt in der Nation , in die sie zufällig hineingeboren wurden, auf einen wundersamen Gesinnungswandel der absoluten Mehrheit zu hoffen ?
wertz
 

Beitragvon oeffi » 13. Feb 2010 05:14

Einen "Staat" werden solche Leute ja gerade nicht gründen... Zumindest aus SB-Logik betrachtet...

Sondern eher sowas wie Schenker-Liebes-Stämme...
Und das kann man ja machen, auch hier in Deutschland z.B. ...
Und ist dann wohl sinnvolles Gegenmodell an sehr passender Stelle...

Bzgl. Argumenten hat man m.E. keinen Mangel...

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Beitragvon Krokodil » 14. Feb 2010 18:50

von wertz:
Wo seht Ihr die Ansatzpunkte für eine von der Mehrheit getragenen und aktiv unterstützen, gesellschaftlichen Umwälzung ? Wie überzeugt man mal eben 50Millionen erwachsene Menschen davon, dass Sie falsch leben und bescheidener, solidarischer, friedfertiger werden müssen ? Für alle Argumente die wir vorbringen können, präsentiert man uns postwendend Gegenargumente, die nicht nur von Spinnern, sondern von Kapazitäten vertreten werden, die also nicht so leicht von der Hand zu weisen sind.


Hallo wertz.
Die Kapazitäten sind m.E. Autoritäten. Dabei in ihrer Argumentation und ihrer Absicht austauschbar. Wie die Argumente und Absichten innnerhalb des eigenen Denkens. Es geht aus meiner Sicht garnicht mal so sehr um "gegenseitiges Überzeugen", sondern darum, die Autorität als solches zu erkennen und zu hinterfragen. Das erscheint mir allerdings unmöglich, wenn man seinerseits "aufklären und überzeugen" will. Das ist motivbesetzt und allein daher richtungsgebunden, drängend. Man tritt dann automatisch an die Stelle der anderen Autorität. Nur eben will "wahrer" sein. Aber das behauptet jede Autorität. Das scheint mir ein Grundirrtum, ergibt wenig Sinn. Die Dinge müssen die Menschen selbst erkennen...ob du dabei 1 Schritt voraus läufst oder 10, ist scheinbar von Bedeutung. Aber von welcher?

Und ich denke, genau da liegt der Hase im Pfeffer: Leute die unter den herrschenden Verhältnissen nicht leiden, keine Schuldgefühle, Gewissensbisse verspüren, bzw. diese nur in einem Grade verspüren, der den Spaß nicht verdirbt - Tja , was habe ich denen zu sagen ?

Wahrscheinlich muss das Leiden erst bei jedem einzelnen solange "reifen" bis er zur Veränderung bereit ist.
Eine Art verbreiteten unterschwelligen Masochismus gibt es ja.


Selbst wenn ich ein allgemein anerkannter,respektabeler, Ehrfurcht einflösender Weiser wäre, der alle Vernuftsgründe auf seiner Seite hätte, selbst dann würde ich o.a. Personen nicht zu meinen Mitstreitern machen können.
Wäre es nicht erfolgversprechender, wenn sich die feinfühligen, gewissensstarken Antikämpfer aller Länder vereinigen würden, um einen Staat nach Ihren Idealen aufzubauen, anstatt in der Nation , in die sie zufällig hineingeboren wurden, auf einen wundersamen Gesinnungswandel der absoluten Mehrheit zu hoffen ?


Ein Staat nach Idealen aufbauen wurde schon einige male versucht. Ich glaube nicht, dass es möglich ist, das Leben von hinten aufzuzäumen, vom Ideal beginnend. Mir scheint der erste Schritt am wichtigsten, der am nächsten am heute liegt.
Warum lebst du nicht deine Vorstellungen von einer besseren Welt allein für dich und in deinem Umfeld aus? Behandelst dich und deine Menschen entsprechend? Meinst du, die Zeit läuft uns davon?

Viele Grüße
Krokodil
Krokodil
 

antwort

Beitragvon wertz » 14. Feb 2010 22:36

[Hallo Krokodil,
zuerst einmal muss ich um Verständnis bitten, wenn ich unverständlich/umständlich formuliere. Ich habe seinerzeit eine deutsche Hauptschule besucht, da hat man zwangsläufig gravierende Bildungslücken, gerade was Rechtschreibung und Grammatik angeht. ]


Es geht aus meiner Sicht garnicht mal so sehr um "gegenseitiges Überzeugen", sondern darum, die Autorität als solches zu erkennen und zu hinterfragen. Das erscheint mir allerdings unmöglich, wenn man seinerseits "aufklären und überzeugen" will. Das ist motivbesetzt und allein daher richtungsgebunden, drängend. Man tritt dann automatisch an die Stelle der anderen Autorität. Nur eben will "wahrer" sein. Aber das behauptet jede Autorität.

[Eigentlich rennst du mit deiner Anwort meine offene Türe ein :-) Ich tauge nicht als Autorität und mit außergewöhnlichen Wahrheiten, die nicht schon längst ein klügerer Kopf als ich ausgesprochen hätte, kann ich erst recht nicht dienen. Das ist ja gerade "der letzte Weg" der mir noch erfolgversprechend erscheint: Möglichst viele Seelenverwandte finden, um dann gemeinsam eine Keimzelle für eine bescheidene, friedfertige, solidarische Gesellschaft zu gründen, statt sich im unergiebigen,ethisch/moralisch zweifelhaften Proselyten-machen zu verausgaben :-) .]

Die Dinge müssen die Menschen selbst erkennen...ob du dabei 1 Schritt voraus läufst oder 10, ist scheinbar von Bedeutung. Aber von welcher?

[Was wohl jeder ohne irgendwelche Hilfestellung erkennt, ist sein persönliches Befinden, und
wenn Herr X und Frau Y sich in den herrschenden Verhältnissen mops-puddel-wohl fühlen, dann werden sie wenig Antrieb verspüren noch weitere, eher lästige Wahrheiten zu erkennen. Ich würde auch nie von mir behaupten, dass ich dieser PersonengruppeXY etwas vorraus habe, eher das Gegenteil ist der Fall, schließlich muss ich mir die Verhaltnisse, in
denen ich mich wohlfühlen würde, erst noch schaffen. ]


Wahrscheinlich muss das Leiden erst bei jedem einzelnen solange "reifen" bis er zur Veränderung bereit ist.
Eine Art verbreiteten unterschwelligen Masochismus gibt es ja.

[ Wie schon gesagt: Nicht alle leiden = Nicht alle sind zu Veränderungen bereit ]

Ein Staat nach Idealen aufbauen wurde schon einige male versucht. Ich glaube nicht, dass es möglich ist, das Leben von hinten aufzuzäumen, vom Ideal beginnend.

[Kommt vielleicht auf die Ideale an. Du meinst sicher die diversen sozialistischen Revolutionen der letzten 100 Jahre, ich denke, die kann man zum Vergleichen nicht brauchen. Die hatten doch samt und sonders eine vollständige Veränderung der ganzen Nation, der ganzen Gesellschaft im Sinne ! Wer nicht mitmachen wollte wurde unterdrückt, im schlimmsten Fall umgebracht.
Gibt es denn Beispiele in der Geschichte, wo sich ein Teil der Bevölkerung freiwillig von der Mehrheit gelöst hat und in die nationale Unabhängigkeit ging, und zwar nicht aus ethnischen oder religiösen, sondern aus ethischen Gründen ?]

Mir scheint der erste Schritt am wichtigsten, der am nächsten am heute liegt.
Warum lebst du nicht deine Vorstellungen von einer besseren Welt allein für dich und in deinem Umfeld aus? Behandelst dich und deine Menschen entsprechend?

[Naja, ich arbeite ja dran ( siehe Profil ) . Mein Problem ist halt, dass ich auf ein bestimmtes Maß an Staat, Ordnung, Zivilisation und Industrie nicht werde verzichten können. Wenn es
die moderne Pharmazie und Hygiene nicht gäbe, wäre ich schon längst über den Jordan,
so ist es halt. Nicht jeder hat eine Bärennatur und kann bei -20° im freien wohnen.
Um überleben zu können brauche ich Zivilisation, ob ich will oder nicht. Aber leider herrscht
in allen zivilisierten Staaten derselbe kapitalistische Einheitsbrei, wer sich nicht ganz ausklinken kann, Steuern zahlt usw. wird ungewollt mitverantwortlich für die Verbrechen seines Staates ( zumindest sehe ich es so ), und diese Verantwortung möchte ich gerne los werden, also brauche ich einen unschuldigen, harmlosen Staat, in dem Gewalt und Prasserei keinen Platz hat ]

Meinst du, die Zeit läuft uns davon?
[ja]

Gruß wertz
wertz
 


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