Krisenszenario

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Krisenszenario

Beitragvon Augenkiste » 15. Aug 2010 17:10

Krisenszenario

Was passiert wenn die Banken nicht mehr öffnen und die Menschen retten wollen was noch
zu retten ist, ihr „Erspartes“
Es entsteht eine Panik, ähnlich wie im August 2007 in England bei der Northern Rock, als die Leute vor der Bank Schlange standen. Damals verhinderte die Bank of England – die Englische Nationalbank – mittels einer unbegrenzten Bürgschaft (mit Steuergeldern) den Zusammenbruch.
Noch während der ersten Meldungen über die Bankenschließungen stürmen viele Menschen die Geschäfte und hamstern noch alles, was zu bekommen ist. Schnell sind die ersten Geschäfte leer gekauft und die Anweisung zur Schließung kommt von den Behörden. Die Angestellten drängen die Leute mit herbeigeeilten Sicherheitskräften aus den Geschäften. Es gibt Tumulte und Randale. Die ersten Fensterscheiben gehen zu Bruch. Mit zusätzlichen Sicherheitskräften schaffen es die Ordnungshüter, die aufgebrachte Menschenmenge zu beruhigen und aufzulösen.

Es gibt keine Vorräte mehr

Weil heutzutage alles just in Time geliefert wird, gibt es keine nennenswerten Vorräte mehr. Ein Krisenstab der Regierung tritt zusammen und berät über die Lage. Essensmarken werden in aller Eile ausgegeben, die Kirchen und Sozialverbände reichen Essen an öffentlichen Stellen aus, solange der schmale Vorrat reicht. Besonders hart trifft diese Lage die Menschen in den Städten, da sie nicht vorbereitet sind, kaum Vorräte haben und sich nicht selbst versorgen können. Binnen weniger Stunden ist die Bundesrepublik von einer führenden Wirtschaftsmacht auf das Niveau eines krisengebeutelten Dritte-Welt-Landes gesunken und nach 2 Wochen sprichwörtlich leer gefressen.

Die Menschen hielten dies nie für möglich und genauso so unvorbereitet trifft es sie. Sie schwanken zwischen Fassungslosigkeit, Wut, Verzweiflung und Resignation. Warum ist dies passiert? Wer ist schuld? Wie soll es weiter gehen?

Die Meldungen in den Medien überschlagen sich, die Regierung beschwichtigt und erklärt, sie habe alles im Griff und binnen weniger Tage wird wieder Normalität einkehren. Der Tag neigt sich zum Ende, die Menschen gehen beunruhigt und ängstlich ins Bett. Was wird der nächste Tag bringen?

Die Zeitungen sind geprägt von fetten Schlagzeilen über Zusammenbrüche, Krisenszenarien, Entlassungen, neuen Hiobsbotschaften, Kommentaren, Forderungen an die Regierung und grellen Bildern. Neue Negativmeldungen und noch tiefere Aktienstände werden berichtet, ebenso Vermutungen über weitere Pleiten und Massenentlassungen. Die Menschen verlassen früh morgens verunsichert ihr Heim, sie fahren mit einem flauen Gefühl zur Arbeit und fragen sich, ob sie noch gebraucht werden.
Tatsächlich werden viele schnell wieder nach Hause geschickt, da die Firmen befürchten, ihre Waren nicht mehr absetzen zu können und daher nicht mehr produzieren. Auf den Strassen herrscht Chaos und Durcheinander, die öffentlichen Verkehrsmittel fahren unregelmäßig, widersprüchliche Durchsagen vergrößern die Sorgen.
Gerüchte besagen, dass es Plünderungen und Überfälle gibt und man Nachts nicht mehr aus dem Haus gehen soll. Manche meinen, in einigen Tagen seien die verfügbaren Lebensmittel aufgebraucht und der Nachschub wäre unsicher. Benzin und Diesel werden gehortet und gehen nach kurzer Zeit aus. Die Großversorger stellen die Gaslieferungen ein, weil Russland den Hahn abgedreht hat und Devisen bzw. Gold sehen will.

Am zweiten Tag treten bereits konkrete Versorgungsprobleme auf. Manche Geschäfte öffnen nicht mehr, andere haben nur ein sehr eingeschränktes Sortiment. Die Abgabe ist limitiert. Leute sammeln sich und protestieren gegen Hunger. Sie sind sauer auf die Regierung, die sie nicht geschützt hat. Sie fordern lauthals Unterstützung. Das öffentliche Leben bricht mehr und mehr zusammen, es beginnt ein Durcheinander und die Verunsicherung greift um sich. Ab dem dritten Tag bleiben nachts die Straßenlaternen dunkel. Wie soll es weiter gehen? So in etwa könnte der Tag X verlaufen.

Wenn diese Krise eintritt, wird die Welt zwar nicht untergehen

Jedoch ist anzunehmen, dass es ca. 2 bis 3 Jahre andauert, bis wir wieder annähernd die gewohnten Zustände vorfinden werden. Das ist nur eine grobe Schätzung, denn aufgrund der nie da gewesenen Größenordnung an finanziellen Verwerfungen kann kein Mensch sagen, was wirklich passieren wird.
Vergleicht man solch ein Szenario mit Bekannten, wie z. B. in Argentinien, so kann man annehmen, dass es einen enormen Vermögensverlust der Mittelschicht geben wird. Diese und die kleinen Leute werden verarmen. Darüber, was dieser enorme Vermögens- und Kaufkraftverlust sowie die hohe Arbeitslosigkeit für die weitere Entwicklung bedeuten wird, kann man nur spekulieren.

Der Tag X wird kommen ! Werde Selbstversorger !
Augenkiste
 

Re: Krisenszenario

Beitragvon Karl d.K. » 16. Aug 2010 07:14

Hallo Augenkiste!

Ja, der Tag X... wird wohl kommen, oder ist bereits angelaufen.
Ich finde dein erdachtes Szenario allerdings zu harmlos. Da sehe ich weitaus mehr Grauen, doch möchte ich Lesende lieber mit meinen Ansichten darüber verschonen. :twisted:
Diese Stelle deines Textes:
Augenkiste hat geschrieben:Jedoch ist anzunehmen, dass es ca. 2 bis 3 Jahre andauert, bis wir wieder annähernd die gewohnten Zustände vorfinden werden.

Genau das nehme ich auch an und dabei schüttelt es mich!

Sollte selbst ein Tag X nichts weiter bewirken, als ein Vorfinden der gewohnten Umstände?
Ändert selbst dieses heftige Leid nichts an unserer Art zu leben?

Das wäre wirklich das Schlimmste für mich. Vorausgesetzt natürlich, ich Weichei über lebe Tag X. :oops:

LG,

Mathias

PS: Augenkiste... das habe ich schon mal gelesen. Sag, schreibst du nicht einen Blog?
Karl d.K.
 

Re: Krisenszenario

Beitragvon Augenkiste » 16. Aug 2010 12:31

Sollte selbst ein Tag X nichts weiter bewirken, als ein Vorfinden der gewohnten Umstände?
Ändert selbst dieses heftige Leid nichts an unserer Art zu leben?


Wir müssen Krise und Zusammenbruch als Ausgangspunkt für eine Katharsis, eine Reinigung nutzen um wie Phoenix aus der Asche steigen zu können. Der Mensch als Einzelwesen ist in der Lage aufgrund von Schickssalschlägen persönlich zu wachsen und sein Leben und Tun zu hinterfragen, die Menschheit ist es auch. Einem Alkoholiker wird angetragen:"Du musst erstmal in der Gosse liegen damit du mit dem Saufen aufhörst!" Meines Erachtens nach ein gutes Bild um es auf die Menschheit, mit Hinweis auf globale Verantwortung, zu übertragen. Die Sintflut des 21. Jahrhunderts wird viele Opfer kosten, wer sich hingegen krisenfest einrichtet, wird teilhaben an einer späteren Umstrukturierung der Welt zum Besseren, und kann schon jetzt dem unverantwortlichen Treiben den Rücken kehren.
Augenkiste
 

Re: Krisenszenario

Beitragvon Karl d.K. » 16. Aug 2010 15:58

Vielleicht werden wir das sehen.

Das der Mensch aus Fehlern lernt, ist Wunschdenken.
Menschen sind Menschen und seit Beginn der menschlichen Erinnerung und der damit gleichzeitig entstandenen Archivierung und Weitergabe dieser Erinnerung (Wissen), hat Mensch getan, was er getan hat. Einen Unterschied zwischen den Menschen vor 5000 Jahren und den heutigen Menschen, kann ich nicht erkennen.
Ich bin auch nur ein Mensch und tue, was ein Mensch so tut.
Karl d.K.
 

Re: Krisenszenario

Beitragvon Augenkiste » 16. Aug 2010 16:39

Der Mensch hat im Verlauf seiner Entwicklungsgeschichte gelernt. Er ist nach heutigem Kenntnisstand irgendwo in Ost-Südafrika aufgebrochen, über den Sinai, gen Osten durch Russland gewandert, über die gefrorene Beringstraße nach Alaska, und hat sich dann bis Feuerland und über den Rest der Welt als Wanderer verbreitet. Dieser Urmensch trug eine genetische Veranlagung in sich, die ihn als Jäger und Sammler Ressourcen schonen ließ um selbst überleben zu können. Diese Anlage hat er an uns weitergegeben, sonst gäbe es keine Bemühungen auf politischer Ebene das Unabwendbare abwenden zu wollen, doch der Zweck hat niemals Mittel geheiligt. Der Mensch an sich ist gut. Was er nicht gelernt hat, ist die Tatsache sich von Kriegs- und Krisengewinnlern nach gesellschaftlichen Zusammenbrüchen wieder vor den Karren spannen zu lassen. Dies hat einen Grund um es mit Goethe zu sagen.

"Der Mensch soll immer streben zum Besseren; und wie wir sehen, er strebt auch
immer dem Höheren nach, zum wenigsten sucht er das Neue.
Aber geht nicht zu weit! Denn neben diesen Gefühlen
gab die Natur uns die Lust, zu verharren im Alten
und sich dessen zu freuen, was jeder lange gewohnt ist." ( Goethe )
Augenkiste
 

Re: Krisenszenario

Beitragvon chiemono » 16. Aug 2010 17:07

Ich kanns nicht fassen - seit 5 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema und fast alle hielten mich bisher für verrückt deswegen. Nun scheint es in der Öffentlichkeit angekommen zu sein ( zwar nicht in der breiten Öffentlichkeit - aber immerhin ).

Bitte erzählt es vor allem denen, die sich so sicher fühlen. Ich trau mich nicht mehr.
chiemono
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Re: Krisenszenario

Beitragvon Karl d.K. » 16. Aug 2010 19:13

Ja, bei einer weltweiten Grundsatzdiskussion, ob Mensch nun gelernt hat, oder nicht, würde ich unterliegen.
Aber so was von! :D

Leider bin ich störrisch, kann einfach nichts anderes erkennen und muss weiter behaupten, Mensch hat nichts wesentliches gelernt.
Meine ich wörtlich, unser Wesen ist geblieben, wie es immer war.

Und Goethe..., da halt ich´s mit dem Teufel, so wie Goethe ihm die Worte schrieb:

"... ich sehe nur wie sich die Menschen plagen.
Der kleine Gott der Welt bleibt stets vom gleichen Schlag
und ist so wunderlich, als wie am ersten Tag.
Ein wenig besser würd er leben,
hätt´st du ihm nicht den Schein des Himmelslicht gegeben.
Er nennt´s Vernunft und braucht´s allein nur tierischer, als jedes Tier zu sein..." :twisted:

LG,

Mathias
Karl d.K.
 

Re: Krisenszenario

Beitragvon Augenkiste » 16. Aug 2010 20:03

Deine Ansicht sei dir belassen. Es täte jedoch jedem, im Sinne der Allgemeinheit gut, lösungs- statt problemorientiert zu denken und zu handeln.

Eine Jeans bei H&M kostet 29,90 € und wird von einer chinesischen Näherin ( incl. Material ) für 2,50 € hergestellt.

Was könnte die chinesische Näherin von deiner fatalistischen Einstellung halten ?
Augenkiste
 

Re: Krisenszenario

Beitragvon Karl d.K. » 16. Aug 2010 21:42

Ich habe keine Einstellung, zumindest gehört sie mir nicht.
Ich sage auch nicht, dass mir das gefällt, oder nicht gefällt.
Ich sage, so erkenne ich es, nichts weiter.
Und dabei bestehe ich nicht auf Recht.

Was die chinesische Näherin angeht, so geht es ihr wie den babylonischen Sklaven, vor tausenden Jahren. Mir und dir übrigens auch, nur merken wir das nicht in der Form, wie ein Sklave in eisernen Ketten. Unsere Ketten sind filigraner, fühlen sich oft nicht wie Ketten an.

Lösungsorientiertes Denken ist alt, wie das Denken selbst. Hat eben auch noch nichts genutzt, außer vielleicht, dass jede lebende Generation denkt, sie könne es besser machen.
Macht sie aber nicht, sonst hätten wir nicht das, was wir vorfinden, siehe dein Beispiel der chinesischen Näherin.

Wenn du aber wissen möchtest, wie ich das finde, so sage ich beschissen. Ich find´s beschissen!
Wenn du wissen willst, was ich dagegen mache, so sage ich, Ich habe keine Ahnung!
Ich kann mir nicht mehr einbilden, irgendwas besser zu machen, als andere Menschen, nicht die vor mir, nicht die mit mir.
Ich mache es , so gut ich kann.
Das glaube ich von jedem Menschen.
Karl d.K.
 

Re: Krisenszenario

Beitragvon Augenkiste » 18. Aug 2010 03:02

Ich mache es , so gut ich kann.


Mehr mache ich auch nicht, werde aber ebenso wie du, immer wieder vom System eingeholt.

Leute wie ich können sich keine handgefertigten Schuhe vom Edelschuster aus Mailand kaufen, die liebevoll und nachhaltig geschustert 1000 € kosten.

Ich muss auf preiswerte Produkte zurückgreifen von denen man ausgehen muss das sie irgendein erbarmungswürdiger, chinesischer Arbeiter in einer seelenlosen Fabrikhalle für 10 Cent pro Stunde hergestellt hat.

Nachdem meine Trekkingstiefel, vermutlich "Made in China", das Zeitliche gesegnet hatten, kaufte ich mir wieder Markenschuhe von denen ich ausging das sie in Deutschland gefertigt würden, und musste lesen das diese Firma ihre Produktion vor 2 Jahen nach China ausgelagert hat.

Und schon hatte mich das System wieder eingeholt.

Das Leder vielleicht in Bangladesch unter menschenverachtenden Arbeitsbedingungen gegerbt und gefärbt, die Sohle in einer indischen, mit Giftschwaden durchzogenen Fabrikhalle zurechtgeschmolzen, und alles vermutlich in China zusammengenäht.

Guido Westerwelle samt seiner Schnösel von der FDP singen das hohe Lied auf die Globalisierung, und deren Wählerschaft droht damit Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern wenn der Rest der Politikergilde nicht spurt.

Worin liegt eigentlich die Grundlage der Erpressung wenn sich Abermillionen von Arbeitsplätzen bereits im Ausland befinden ?
Augenkiste
 


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