Unterschied Ost-West

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Unterschied Ost-West

Beitragvon chiemono » 4. Aug 2009 21:51

Mir fiel auf, daß sicher die Mehrheit von euch aus der ehemaligen DDR kommt. Ich glaube, das ist auch ein Grund, weshalb sich eher wenig potentiell alternative Aussteiger für die Schenkerbewegung interessieren. Ich versuche das mal zu erklären: wir waren in meiner Kindheit in Österreich 4 Geschwister und wir waren die ärmsten Kinder im Dorf, weil meine Eltern hohe Schulden aufgenommen hatten, um ein geerbtes Haus zu renovieren. Wir fuhren auf keine Skiausflüge mit und wir hatten genau zwei verschiedene Kleidungsgarnituren zum wechseln. Trotzdem war bei uns einiges anders, als ich es selber in der DDR gesehen habe. Die Stromkabel und Schalter waren zum Beispiel unter Putz. Die Fensterläden konnte man mit der Wasserwaage nachmessen und die Fenster waren dicht. In den Geschäften gab es alles zu kaufen und die Leute verdienten gut in den 60igern und 70igern. Viele hatten Autos und viele fuhren auch damals schon regelmäßig auf Urlaub. Mein Stiefvater hat damals sicher mehr versoffen, als man in der DDR verdient hätte.

Wenn man nun überlegt, daß Leute die das alles kennen, in Mitteleuropa die Mehrheit sind, dann wird klar, daß es für die ein sehr weiter Weg ist, ohne ihren gewohnten Luxus zu leben. Natürlich merken auch diese Leute, daß was nicht stimmt in dieser Gesellschaft und denken über alternative Konzepte nach, aber der Weg der Schenker ist einfach ein zu krasser Gegensatz und schreckt sie wieder ab. Deshalb glaube ich, daß die 'Schenkerbewegung nur dann wirklich was bewirken kann, wenn der Weg weniger radikal ist. Man kann auch in einem Wohnwagen leben wie im Urlaub, oder in einer Jurte, wie die Mongolen, oder in einem Tipi wie die Indianer, oder in einem Blockhaus wie ein Trapper, oder in einem Bauernhof - aber keiner will in einer verschimmelten Bruchbude leben, oder in einem Erdloch.

Abgesehen davon - wann ist ein Mensch glücklich? Wenn er das Gefühl hat selbstbestimmt, würdevoll und frei zu leben! Aber, kann man sich würdevoll und selbstbestimmt fühlen, wenn man Container durchwühlt? Natürlich hat jeder recht, der mir jetzt antwortet, daß es ein Verbrechen ist, originalverpackte Dinge wegzuschmeißen, aber das ändert nichts am Gefühl! Sicher verdrängen die meisten Durchschnittsbürger den Gedanken Arbeitssklave zu sein und glauben lieber an ein demokratisches System in dem sie frei sind. Sie belügen sich selbst - aber sie fühlen sich immer noch besser dabei, als wenn sie das Gefühl hätten, nur die Reste zu bekommen.

Ich weiß, die meisten von euch sind keine Schenker, sondern Verbündete oder Symphatisanten, aber ich glaube die meisten von euch wollen nicht nur ihren eigenen Weg finden, sondern auch einen Weg vorleben können, der anderen hilft und die meisten wollen eine neue, gerechte Gesellschaft. Deswegen wäre mein Rat, einen Weg zu suchen, mit dem sich die irregeleiteten Konsumaffen leichter identifizieren können. Grade ihr Ex-DDRler solltet euch bewußt sein, daß ihr den Westlern ein gutes Stück voraus habt, was die Fähigkeit betrifft, gemeinschaftlich und gerecht zu denken und das wirklich Wesentliche im Leben zu sehen. Wenn ihr das wißt, überfordert ihr keinen und helft vielen!

LG chiemono
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Beitragvon Karl d.K. » 4. Aug 2009 22:26

Weißt Du, mit deiner Überlegung hast du sicher Recht.
Andererseits wäre es leicht diese Überlegung mit Gegenargumenten zu überziehen.
Da geb ich mich mal nicht für her.
Des Menschen Wort ist so biegsam, wie es stumpf ist.

Ich wünsche mir nur, dass dieser "Unterschied" mal endlich aufhört.
Die Wiedervereinigung, die Aufhebung einer politischen Grenze, ist Jahre her und ich habe es so satt weiter in Ost und West zu denken.
Ja, die Politik kann sich immer noch nicht davon verabschieden. Verschiedene Löhne, auf Bundesebene, im selben Land... bla, bla, bla

Ich sehe keinen Unterschied.
Wenn wir schon alle in der Scheiße sitzen, dann sitzen wir in der selben Scheiße.

Ganz schön scheiße!

Findet,

KdK
Karl d.K.
 

Beitragvon chiemono » 4. Aug 2009 22:33

Hallo Karl d. K.

du "klingst" irgendwie genervt. Ich wollte damit niemanden beleidigen. Jeder hatte eine Kindheit, die ihn geprägt hat und meine war auch nicht von Überfluß geprägt. Aber eigentlich bin ich dankbar dafür und sehe das Positive. Meine Schultasche flog in die Ecke und ich war den ganzen Tag im Wald, auf den Wiesen, ... hab Obst geklaut und Fische gefangen. Die Kinder heute haben finanziell allles, aber sitzen bis zum Einbruch der Dunkelheit vor Hausaufgaben.

LG chiemono
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Beitragvon räuber » 4. Aug 2009 22:53

Ich bin gerade zu müde, um ausführlich dazu schreiben zu können, aber ich finde dieses Thema sehr interessant bzw. es regt mich stark zum Nachdenken an.

Ich habe mich auch erst immer aufgeregt, weshalb denn so vehement in "Ost" und "West", in "Wessis" und "Ossis" unterteilt wird. Ich, gebürtiger Ossi, wollte nicht so einfach abgeschnitten werden von einer Welt, der ich mich doch zugehörig fühlte. Was sollte denn auch anders sein an den sogenannten "Wessis"!? Doch gerade in den letzten Monaten, in denen ich in fast ganz Deutschland unterwegs war, mit unglaublichen vielen Menschen gesprochen habe, gesehen habe, wie sie wohnen, leben...wie sie ihr Leben organisieren, ist mir bewusst geworden, dass "hinter der ehemaligen Grenze" etwas anders ist. Ja, ich gebe dir recht darin, chiemono, dass die Menschen in Westdeutschland luxusverwöhnt sind; dass sie geschniegelte Gärten haben, cremeverwöhnte Gesichter, ihr Haus, ihr Auto, ihre zwei Kinder, ihre gebügelten Hemden und ihre Arbeit. Jedes ihrer Häuser gleicht einem anderen. Alles scheint genau ausgemessen, strukturiert, geputzt. Man fährt auch im Dresscode Fahrrad. Ich hasse das.

Hier, in Ostdeutschland, ist nichts perfekt. Es bröckeln die Fassaden und es stehen die Häuser...sowieso leer. Ältere Menschen sehen hier auch so aus- alt. Der Umgang unter ihnen ist derb. Keiner von ihnen kleidet sich so richtig adrett. Man kann es hier lieben, oder hassen. Für Naturliebhaber und Klaustrophobiker ist es wohl das Paradies.

Nun stellst du, chiemono, die Behauptung auf, alle Nicht-DDRler könnten sich von uns was abgucken. Darüber muss ich noch mal ganz genau nachdenken. Mein erster Impuls war nämlich, dir vollkommen zu widersprechen. Denn eigentlich kommt ja der frische Wind, gerade was Selbstversorgung und sowas betrifft, aus dem "Westen" (Deutschlands). Hier hätte niemand- und das ist unter den meisten immer noch so (!)- ein altes, leerstehendes Gehöft gekauft. Die wenigsten schätzen hier "echte Materialien" wie Holz und Stein. Und ob hier jemals wirklich gemeinschaftlich gedacht und gelebt wurde... ? Ich denke noch einmal darüber nach.
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Beitragvon chiemono » 4. Aug 2009 23:05

Räuber,

ich bin auch zu müde um noch weiter zu diskutieren. Mein Wecker läutet um 5:40.

Nur soviel: mir ist natürlich klar, daß durch diesen unnötigen Krieg ein Volk getrennt wurde, das eigentlich immer zusammen gehörte. Es ist schon verblüffend, wie viele Unterschiede sich in 40 Jahren entwickeln können. Daß DDRler sich benachteiligt fühlen, ist mir klar, aber ich weiß auch, daß es sich ins Gegenteil wandeln wird, denn die lebten ja nicht in der Konsum-Scheinwelt und ihre eigene Scheinwelt haben sie ja bereits als solche identifiziert.

LG chiemono
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Beitragvon albu » 4. Aug 2009 23:54

da giebt es doch keinen

beide sind auf ihre art und weise verbohrt , es sind eben deutsche

in ost wie in west giebt es viel schöne aber auch miese orte

es giebt tollerante (vor allen in großstätten ) und untollerante leutchen

dieses ost und west muss aus den köpfen das wird aber sicher noch ne weile dauern

und zu thema lohn unterschiede , sieh es doch mal so du verdinst im osten weniger aber die lebenshaltung ist doch auch viel weniger als zb in köln da bekommst du wohl für 400 euronen nen zimmer im keller und must dich noch mit 20 studis zum prügel
albu
 

Beitragvon Karl d.K. » 5. Aug 2009 16:30

chiemono hat geschrieben:Hallo Karl d. K.

du "klingst" irgendwie genervt. Ich wollte damit niemanden beleidigen. Jeder hatte eine Kindheit, die ihn geprägt hat und meine war auch nicht von Überfluß geprägt. Aber eigentlich bin ich dankbar dafür und sehe das Positive.

LG chiemono


Hallo chiemono!

Klar bin ich genervt!
Nicht wegen deinen Worten. Du hast ja Recht.
Ich finde, dass alle hier Recht haben.
Nur nutzt dieses Recht haben nix!

Wie soll ich das erklären?
Es ist wie es ist und ich kann gar nix machen.
Jeder Versuch bringt uns Menschen doch nur weiter in Richtung Selbstausrottung.
Und sehr witzig ist, dass mir diese Tatsache gar nichts ausmacht.
Ich habe nur einfach keinen Bock mehr dieses Spiel zu spielen.

Tag täglich die selben holen Phrasen, die programmierten Verhaltensmuster dieses elendige So tun, als ob.
Die Menschen um mich herum, meine Familie und auch ich selbst.
Schlimm, dass ich mich dabei auch noch ertappe!

Aussteigen... Ja, fliehen und flüchten möchte ich und doch, gerade in letzter Zeit wird es immer deutlicher.
Ich fahre auf einen einsamen Campingplatz, lebe in einem Zelt und gehe und sehe die wundervollsten Dinge...
Ideen, Träume und Wünsche...
Und es holt mich ein. Egal wie und wo ich gerade bin.
Der Scheiß, dieser bescheuerte Schmerz ist alt und er sitzt tief in den Knochen.
Ich kann nicht vor mir selbst fliehen.

Depressionen... ja, die können mich auch mal.
Jede Diagnose ist ein Ausdruck des Erkennens und weil Menschen das, was ihnen fremd ist fürchten vergeben sie Namen dafür und nennen es krank.
Ich habe Menschen kennengelernt die diese und noch "schlimmere" Diagnosen bekommen haben... Sie alle waren mir näher an der Realität, als die verkappten, folgsamen Scheintoten, die sich Gesellschaft nennen.

Ja, ich bin offensichtlich genervt.
Verzeih, wenn es sich so fühlte, als wäre es aufgrund deiner Worte so.
Worte erinnern, die Bewegung ist in jedem selbst.

chiemono hat geschrieben:Meine Schultasche flog in die Ecke und ich war den ganzen Tag im Wald, auf den Wiesen, ... hab Obst geklaut und Fische gefangen. Die Kinder heute haben finanziell allles, aber sitzen bis zum Einbruch der Dunkelheit vor Hausaufgaben.


Ja, deine Worte erzählen auch mir von meiner Kindheit.
Und heute ist es nicht mehr so. Eine neue Generation lebender Toter, voller Gier und wie alle, ohne Schuld.

http://www.youtube.com/watch?v=pBAasek8NR4

LG,

KdK
Karl d.K.
 

Beitragvon Saxwolf » 5. Aug 2009 18:05

Hallo Leute,

ist euch denn schonmal aufgefallen, dass es egal ist, in welcher Region, Land, oder Gemeinde die Menschen leben?

Überall gibt es Arschlöcher oder mitdenkende Menschen.

Also benutz nicht solche unschönen Wörter wie im Titel, das ist unnötig und man bekommt ein ungutes Remake.

Ich glaube, das ist das, was hier einige Scheiber versuchen den TE nahe zu bingen.

Grüße vom Sawolf
Saxwolf
 

Beitragvon chiemono » 5. Aug 2009 19:15

Da muß ich widersprechen Saxwolf. Es ist nicht egal wo man lebt. Ich suchte zum Beispiel vor 20 Jahren mal eine Straße in Wien. Ich mußte 5 Leute fragen, bis ich überhaupt eine Antwort kriegte. Die anderen machten einen Bogen um mich ( vermutlich wegen Lederjacke und längeren Haaren ).

Dann hatte ich mal eine Panne mit dem Wagen in Linz und der Typ den ich ansprach, sagte mir nicht nur wo ich das Ersatzteil kriege, sondern er begleitete mich auch noch bis dahin. Alle Menschen dort waren freundlich und lächelten. In Wien dagegen hast du den Eindruck, die würden dich am liebsten verhaften lassen.

sicher leben sowohl da als auch dort nette Leute, aber der Gesamteindruck kann gewaltig unterschiedlich sein.
chiemono
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Beitragvon Saxwolf » 5. Aug 2009 19:25

chiemono hat geschrieben:Da muß ich widersprechen Saxwolf. Es ist nicht egal wo man lebt. Ich suchte zum Beispiel vor 20 Jahren mal eine Straße in Wien. Ich mußte 5 Leute fragen, bis ich überhaupt eine Antwort kriegte. Die anderen machten einen Bogen um mich ( vermutlich wegen Lederjacke und längeren Haaren ).

Dann hatte ich mal eine Panne mit dem Wagen in Linz und der Typ den ich ansprach, sagte mir nicht nur wo ich das Ersatzteil kriege, sondern er begleitete mich auch noch bis dahin. Alle Menschen dort waren freundlich und lächelten. In Wien dagegen hast du den Eindruck, die würden dich am liebsten verhaften lassen.

sicher leben sowohl da als auch dort nette Leute, aber der Gesamteindruck kann gewaltig unterschiedlich sein.


Das hat man in anderen Gegenden auch. Ich bin schon 5 mal umgezogen und überall das gleiche:

Erst wird man abgewiesen, dann wenn man sich näher kennt, wird alles lockerer und die Menschen, sind genauso, wie zu Hause.


Deine Aussage ist nicht von daher nicht haltbar ;)
Saxwolf
 

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