Absicherung!

und Selbstversorger und solche, die es werden wollen

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Absicherung!

Beitragvon moni » 1. Apr 2008 21:42

Wenn man den Plan gefasst hat - in welcher Form auch immer - auszusteigen, macht man sich über einige Sachen häufig zu wenig Gedanken: Was passiert, wenn ich krank werde, älter werder, wenn ich ein Kind zeuge?

Ich kann jedem nur raten sich ernsthaft, ich meine ERNSTHAFT damit auseinander zu setzen.

Die Schenkersichtweise ("wir verzichten auf alles, was wir nicht geschenkt bekommen, auch wenn wir dabei Leiden in Kauf nehmen müssen") ist da sehr simpel und heroisch und das kann dann z.B. Folgendes bedeuten:

Gerade heute war ich mal wieder beim Zahnarzt, um die Folgen meiner Zeit als Schenkerin behandeln zu lassen. Von klein auf habe ich schlechte Zähne und als Schenkerin habe ich auf Zahnpasta verzichtet und nur Wasser und eine Zahnbürste zum Zähneputzen verwendet. Die Folge: 2 Zähne sind futsch und diverse andere halbverfault... ich bin übrigens erst 24. Die Zahnlücken habe ich natürlich auch nicht zahnärztlich behandeln lassen und so habe ich beim Rausfallen ein paar schlaflose Nächte verbracht und vor Kurzem gerad wieder, da sich die verbliebene Wurzel eitrig entzündet hatte. Das sieht zwar lustig aus, wenn die Backe anschwillt, aber es ist sehr schmerzhaft und kann sogar bis zur Blutvergiftung führen.

Eine andere Schenkerin hat sich auf gewagte Ernährungsexperimente eingelassen (Rohkost, vegan und das ausschliesslich einheimischen Produkten). Sie hätte sich beinah damit umgebracht und hat mit den Folgeschäden wohl noch heute zu kämpfen.

Öff!Öff! erzählte mir, er habe als er ausstieg mit einer Blinddarmentzündung zu kämpfen. Er kann sich glücklich schätzen, dass er das unbehandelt überlebt hat. Ganz folgenlos ist das Schenkerleben für ihn auch nicht gewesen. Es ist sicher nicht seiner schlechten Haltung zuzuschreiben, dass er mittlerweile einen unübersehbaren Buckel trägt und laut dem was mir zu Ohren kommt lässt seine Kondition nun auch ziemlich nach. Diverse Backenzähne musste auch er unter Schmerzen lassen. Die unzähligen kalten Winter die er verbrachte haben ihn geschwächt. Für seine knapp über 40 Jahre wirkt er recht alt.

Soll man so ein Leben einem Kind zumuten?! Doch wie verhüten?

Und wenn man ein Kind gezeugt hat: Wer hilft bei der Geburt und in der ersten Zeit danach. Ich bin selbst stolz, das ich mein Kind auf natürliche Art ohne Schmerzmitel und den ganzen Elektronikkram zur Welt gebracht habe, aber was ist wenn es Komplikationen gibt. Nabelschnur um den Hals und Dammriss sind gar nicht mal so selten.
Auch mein Kind hatte die Nabelschnur um den Hals und so war es gut, das eine erfahrene Hebamme dabei war.
Was ist wenn das Kind chronisch krank ist oder behindert.
Zum Thema Kind gibt es ne Menge zu bedenken, da könnte ich noch ewig weiter machen.

Ein mir bekannter Schenker ist verrückt geworden. Er bekam eine Psychose und wir hatten Glück, das es kein schwerer Fall war und er nun wieder (hoffentlich gesund) bei seiner Familie lebt. Bei dieser und bei anderen psychischen Krankheiten kann er zu aggressiven oder selbstverletzendem Verhalten kommen, dann braucht man unbedingt professionelle Hilfe. Bei einer ehemaligen Schenkerin soll es auch schon zu einem Selbstmordversuch gekommen sein (nach ihrer Zeit als Schenkerin, aber auch aufgrund dessen).

Wir Deutschen sind so sehr an das deutsche Krankenversicherungssystem gewohnt, dass wir garnicht darauf vorbereitet sind, was passieren kann, wenn wir es nicht nutzen können. Deshalb gebe ich hier auch noch ein paar Tipps:

1. Bei akuten Notfällen ist ein Krankenhaus dazu verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten.

2. Es gibt Ärzte - die ihren Beruf als Berufung sehen - die bereit sind ehrenamtlich Bedürtige zu behandeln.

3. Kräutermedizin ist was für Leute, die sich damit auskennen. Reinfarn (angeblich gut gegen Darmwürmer) kann zu hoch dosiert zu Vergiftungserscheinungen führen...

4. Rohkost (besonders vegane) ist eine gute Kur bei chronischen Erkrankungen, führt bei Vielen auf Dauer zu Mangelerscheinungen.

5. Versucht alternative, soziale Netzwerke zu finden und zu fördern, damit ihr Hilfe erhaltet, wenn ihr Krank werdet.

6. Wenn ihr als Aussteiger alt werden wollt, dann kümmert euch um eine Altersvorsorge.
moni
 

Beitragvon Einsteinfreund » 2. Apr 2008 14:52

Schön,Moni da du jetzt hier im Forum bist.Ich freue mich sehr.
Du weist,wir hatten uns paar mal kurz in der Ruine der alten Mühle gesehen (als der Hardy Strassenburg und der Öffi so krank mit der Darmvirus Infektion ohne ärztliche Hilfe da lagen und ich dem Öffi noch paar Kohle Tabletten aus Görlitz mitgebracht hatte.
Dann warst du weg und ich war halbes Jahr später draußen ,er war schon im Hühnerstall,nicht mehr in der Ruine der Mühle.Und Öffis Handy klingelte.Es meldete sich niemand,aber Öffi hoffte das es die Moni ist und er hat sehr sehr lange ins Handy Neuigkeiten erzählt ohne eine Antwort zu bekommen (der Bäcker der kurz mit Öffi zusammen lebte stand daneben).
Ich sagte das ist nicht so die Art von Frauen,glaube nicht das es die Moni ist.Nehme eher an ein Neugiriger,der wissen will was abläuft.Vielleich sogar der,der dann auf den Hühnerstall geschossen hat.Ich sagte es ist bestimmt ein Ver-rückte.Öffi sagte egal wer es ist ich gebe ihm hiermit Seelsorge.

Moni warst Du der Anrufer?
Einsteinfreund
fühlt sich wohl hier
 
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Beitragvon Tarzan » 7. Apr 2008 04:03

Hallo!

Das Aussteigen sollte schon reiflichst überlegt werden, nur machen das bestimmt nicht alle,
da ich schon öfters lesen musste, dass lieber wieder einige in die Zivilisation zurückgingen,
weil sie vielleicht endlich ihren Geldbeutel aus Zwiebelleder endgültig an den Nagel
hängen wollen.

Wer mehr über andere Aussteiger erfahren möchte, sollte mal dort
http://www.selbstversorgerforum.de/viewtopic.php?t=721 nachlesen, wie andere es gelöst haben.

Kenne auch sehr viele Selbstversorger, einige schon 30 Jahre, aber von denen nennen sich selbst nur wenige Aussteiger.
Die Frage ist ja immer, woraus Jemand aussteigen möchte.
Bestimmt an erster Stelle aus dem System und der Abhängigkeit arbeiten um Geld zu beschaffen damit man sich was zu essen kaufen kann und wofür geht ebend das meiste drauf? für die oft
überteuerte Miete und das ist dann der Grund, endlich da raus zu wollen und endlich ein
selbstbestimmtes Leben führen zu können.
Die meisten brauchen dann natürlich erstmal ein eigenes Stück Land, um sich wenigstens etwas selbst anbauen zu können. Nur warum muss man unbedingt ausser Haus arbeiten, wenn man
ebend auch gleich zu Hause selbst sein Essen anbauen kann.
Aber irgendwann kommt dann der Fiskus und fordert....ihr lebt auf meinem Grund und dafür müsst ihr zahlen....nur womit? Vor 10000J. fing es mal irgendwann an mit Muschelgeld, welches man zum tauschen benutzte und heutzutage wollen sie eben T€uro's sehen und man steckt wieder in der Zwickmühle :-? .

Also muss wieder einer los ins System eintauchen, um Geld zu beschaffen.

Und Öffi hat da ebend seit 17 J. eine kleine Unabhängigkeit gefunden, denn richtig frei ist er ja auch nicht, ist irgendwo abhängig vom Zivilisationsmüll.
Tiere haben es da ebend einfacher :) , nur warum macht es sich die Menschheit so schwer?

schönen Tag noch euch allen

MfG Matthias
seitdem ich die Menschen kenne, liebe ich Tiere

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Beitragvon NLer » 15. Apr 2008 18:13

Ich will mal vermuten, dass ein wirklich starker (religiöser) Glaube förderlich beim konsequenten Ausstieg sein kann.
Angst kann da nicht weiterhelfen, denn wer immer nur irgendeine Angst (sei die vor es Krankheit, Kälte, Schmutz, Hunger) als Gegenargument zum Ausstieg geltend macht, der wird nicht weiterkommen.

Man bedenke einfach, dass es für den Grossteil der Menschheit wenig oder gar keine ärztliche Versorgung gibt. Ähnlich steht es mit Nahrungsmitteln und Hygiene (Zugang zu Trinkwasser).
Es ist meiner Meinung nach also sehr egoistisch weiter ausbeuterisch zu leben (daran leidet die Menschheit), um sich die Früchte der Ausbeutung zu erhalten, welche der geringere Teil der Menschheit auf Kosten des Restes geniessen kann.
Übrigens gibt es die Vorzüge der ärztlichen Versorgung für alle in Deutschland auch noch nicht so lange - siehe Sozialgesetzgebung Bismarcks 1883 - somit lebt der konsequente Aussteiger auch nicht unsicherer, als es die Menschen nahezu die gesamte Menschheitsgeschichte lang getan haben.

Vielleicht ist ja bei einigen Menschen die Liebe grösser als die Angst und der Selbsterhaltungstrieb.

Ich hoffe es zumindest.



Gruss

Florian
NLer
 

Beitragvon moni » 15. Apr 2008 18:26

Das ist doch jetzt reiner Opportunismus. Ich möchte nicht gegen den Ausstieg reden, sondern davor warnen, das unüberlegt zu tun. Wenn man seine revolutionären Gedanken und träume ernst meint, sollte man nicht einfach drauflospfuschen, sondern überlegen, wie man sein Ziel erreichen kann, ohne dabei gleich selbst draufzugehen. Das ist nichts Unmoralisches.
moni
 

Beitragvon NLer » 15. Apr 2008 18:35

Liebe Moni,

fühl Dich doch nicht gleich angegriffen.

Ich möchte nur nicht, dass wir hier mit unseren Gedanken allein dastehen, weil hier Ängste geschürt werden.
Ausstieg war noch nie einfach.

Mt 7,14 Denn eng ist die Pforte und schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden.


Liebe Grüsse

Flori
NLer
 

Beitragvon moni » 15. Apr 2008 18:43

Und wer gleich am Beginn des Weges stolpert, kehrt oft genug entmutigt um.

Aber gut, damit es ganz klar wird. Ich spreche hier nicht dagegen, gewohnte Pfade zu verlassen und sein Leben sinnvoller zu gestalten. Ich bin ja selbst als Suchende hier. Als Mensch mit ein wenig Erfahrung möchte ich aber versuchen, die rosarote Brille von den Augen der jungen Enthusiasten zu reißen. Aussteigen ist kein romantisches Abenteuer, kein Ausweg, wenn einem langweilig ist oder man überfordert in der Arbeitswelt ist. Es ist eine Herausforderung und wer sich durch meinen Beitrag abhalten lässt oder Angst bekommt, der hält schwerlich auf Dauer durch. Er konnte dann versuchen, sich einer alternativen Gemeinschaft anzuschließen ("Eurotopia" ist ein Verzeichnis vieler solcher Gemeinschaften), aber dann nicht als Schenker, da ist man zu sehr Einzelkämpfer.
moni
 

Beitragvon NLer » 15. Apr 2008 19:11

Schön - Einstieg in die Neue Welt 8)
NLer
 

Beitragvon Lichtträger » 16. Apr 2008 01:41

gel.
Zuletzt geändert von Lichtträger am 30. Sep 2008 19:33, insgesamt 2-mal geändert.
Lichtträger
 

Beitragvon NLer » 16. Apr 2008 18:42

Lieber Lichtträger,


Ich bin mir nicht sicher welcher spirituellen Richtung Du anhängig bist - hat mich auch gar nicht anzugehen. Das steht ja jedem frei.

Dient denn nach Deiner Vorstellung alles der Liebe?

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass der Holocaust der Liebe diente?
Angst soll der Liebe dienen?
Etwa auch die Angst, welche manche Menschen in den Selbstmord treibt?
Oder die Angst vor Immigranten, welche die Aussengrenzen der EU immer undurchlässiger werden lässt?
Oder die Angst des Reichen um sich und seine Eigentum, welche ihn dazu treibt Waffen zu kaufen, oder Leibwächter zu beschäftigen?

Lk 12,4-5 Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und nach diesem nichts weiter zu tun vermögen. 5 Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, der nach dem Töten Gewalt hat, in die Hölle zu werfen; ja, sage ich euch, diesen fürchtet.

Zum Selbsterhaltungstrieb (kurz und bündig ohne eigene Worte):

Mt 16,24-26 Dann sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mir nachkommen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach. 25 Denn wer irgend sein Leben erretten will, wird es verlieren; wer aber irgend sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden. 26 Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne, aber seine Seele einbüßte? Oder was wird ein Mensch als Lösegeld geben für seine Seele?

Konfuzius Lun-yu 15,9 Konfuzius sprach: "Ein Mann von starkem Willen und Hoher Moral wird niemals versuchen, sein Leben auf Kosten seiner Überzeugung zu retten. Er ist sogar bereit sein Leben für seine Überzeugung zu opfern."

Es ist ja wahr - Diskussion hat ihre guten Seiten, aber ich habe auch noch andere Sachen zu tun-
und manchmal fühlt man sich hier, wie bei einem Plausch mit der Kassiererin in einem Esoterikladen, die einem die neuste Heilsteinkollektion vorstellt.

Gruss


Flori
NLer
 

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